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Cover: Nele Steinborn

1002. Seite von Verena Ballhaus
Vorlaut
Heidi Lexe: Lebe lieber ungebändigt.
Grenzüberschreitung als Movens kinder- und jugendliterarischer Figuren

Christina Ulm: Das Rohe und das Gekochte.

Gefährliche Reisen auf exotische Inseln

Michael Stavaric: Die Wahrheit über den bösen Wolf
Variationen zum Thema "wild & brav", basierend auf Fedichten von Pawel Strut

Barbara Slechta: School´s out.
Die Schuluniform in der Popkultur
Franz Lettner: Unsichtbar
Nicole Kalteis: Jede Frage ist zulässig!
Die wunderbaren Welterklärungsversuche Pernilla Stalfelts
Marlene Zöhrer: Lebe lieber unauffällig!
Haben brave Kinder das Zeug zur Heldin oder zum Helden?
Ich male gegen jede Regel
Nikolaus Heidelbach im Interview mit Silke Rabus
 
Zeitlos: Gerbrand Bakker: Birnbäume blühen weiß
Blickwechsel zu "Nichts. Was im Leben wichtig ist"lt" von Janne Teller
   
Rezensionen

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Anzeigenkunden
dieser Ausgabe:

Annette Betz

Bajazzo Verlag Beltz & Gelberg Bundesakademie
für kulturelle Bildung Wolfenbüttel

Gütersloher Verlagshaus

 

 
   

Liebe Leserinnen und Leser,

ist es nicht so, dass uns in der Regel die braven Kinder lieber sind als die wilden? Jene, die in der Schule aufzeigen, wenn sie eine Frage haben und die ein i auch für ein i halten und nicht für einen Strich mit Fliegendreck drauf. Dass wir jenen mit mehr Freundlichkeit begegnen, die in der Bücherei versunken in ihren Büchern lesen, als denen, die zwischen den Buchregalen Räuber und Gendarm spielen? Und die Buben und Mädchen, die zornig auf den Boden stampfen, wenn etwas nicht nach ihrem Willen geht, sehen wir die gerne? Sind uns nicht im wirklichen Arbeits- oder auch Familienleben Kinder angenehmer, die sich an unsere Regeln halten – von Jugendlichen ganz zu schweigen? Wie kommt es dann, dass wir (fast) alle Pippi Langstrumpf bewundern, uns krumm lachen über Michel aus Lönneberga?

Wie auch immer, auf einige der besonders wilden und der besonders angepassten Kinder und Jugendlichen der Literatur richtet die vorliegende Ausgabe von 1000 und 1 Buch ihren Blick. Es beginnt mit dem wunderbaren Blatt "täglich brot", das Verena Ballhaus für die 1002. Seite gezeichnet hat – es könnte durchaus auch ein Kommentar zur eingangs gestellten Frage sein. Im ersten Hauptbeitrag geht Heidi Lexe ausgehend von Jan, Peter und Jule aus dem Film »Die fetten Jahre sind vorbei« und Max und seinen wilden Kerlen aus Sendaks Bilderbuch geht sie dem Motiv des wilden Kindes nach. Da begegnen uns zumindest im Vorbeigehen Mowgli, Pippi, Heidi, der Trotzkopf, die roten Zora und auch Mira Lobes Räuberbraut. Diesen berühmten wilden Kindern, die auf unterschiedliche Kindheitsbilder zurückgehen oder sie auf den Punkt bringen, lässt Lexe einige sehr ungebändigte Jugendliche der Gegenwart folgen. Damit entsteht ein Bogen außerordentlich gewichtiger widerspenstiger Figuren.

Im zweiten Hauptbeitrag hat sich Marlene Zöhrer gefragt, wie das mit den braven und angepassten Kinderbuchfiguren ist, ob die nicht allesamt zu langweilig seien für spannende, komische und unterhaltsame Bücher. Im Kontrast zu den Parade-Schlimmen, dem Struwwelpeter und Konsorten, schauen Konrad und Kiki, Ismael und Ra-benhaar, Ester und die anderen Mitglieder der Beerdigungen AG tatsächlich brav aus. Zörer zeigt, dass sie trotzdem das Zeug zu Heldinnen und Helden haben – und wie ihre Ur-heberInnen sie dazu machen. Beide Hauptbeiträge sind im Übrigen schriftliche Fassungen von Vorträgen, die 2010 im Rahmen der Sommertagung des Instituts für Jugendliteratur gehalten wurden.

Die restlichen Texte im Heft sind locker um das Thema gruppiert: Christina Ulm unternimmt eine gefährliche Reise auf exotische Inseln und begegnet dort auch unfreundlichen BewohnerInnen. Barbara Slechta stellt böse Mädchen und Jungs vor, die gern in Schuluniform auftreten. Nicole Kalteis empfiehlt die Sachbuchautorin Pernilla Stalfelt , die in ihren Büchern zu ungewöhnlichen Themen immer die richtigen Fragen stellt.

Und dann kommen noch zwei Künstler zu Wort, die gut hierher passen. Zum einen Michael Stavaric (sein soeben erschienener Roman »Brenntage« hat auch das Erwachsenwerden zum Gegenstand) als einer, der – auch für junge LeserInnen – formal unkonventionell erzählt. Für die vorliegende Ausgabe hat er auf der Basis von Gedichten des tschechischen Autors Pavel Srut nicht nur die Wahrheit über den bösen Wolf herausgefunden.

Der andere heißt Nikolaus Heidelbach und zählt zu den wichtigsten Illustratoren der Gegenwart. Zwar ist davon auszugehen, dass es ihn nicht interessiert, ob die Kinder, die er malt, brav sind oder wild. Trotzdem ist er zu Recht in diesem Heft, nicht zuletzt das vorliegende Interview beweist das.

Wunderbar gepasst hätte hier auch einer der im besten Sinne ungebändigten Texte von Adelheid Dahimène. Sie wird nie mehr für uns schreiben, sie ist im November 2010 gestorben. Vor ziemlich genau einem Jahr hat sie ihren letzten Beitrag für 1000 und 1 Buch geschrieben: »Die Unsterblichen«. Bei Patricia Mac-Lachlan finden sich folgende Zeilen aus Edna St. Vincent Millays Gedicht "Grabgesang ohne Musik" :" Ich finde mich nicht ab, liebende Herzen in harten Grund gesperrt. / So ist es, so wird es sein, denn so war es, Zeit bricht den Stab: / Ins Dunkel gehn sie, die Weisen, die Liebenden, hinuntergezerrt / Unter Lilien und Lorbeer; ich aber finde mich nicht ab."
Wir finden uns nicht ab. Für eine der nächsten Ausgaben werden wir die Bücher Adelheid Dahimènes noch einmal lesen.

Franz Lettner

Zu den Rezensionen

 


 

 

 


 

 

… die Coverversion von Atak und Fil und die Struwwelliese (rechts)


Stalfelts Kindersachbuch über den Tod (Moritz Verlag)


Das neue Bilderbuch von Michael Stavaric & Renate Habringer (bei Residenz)

 

 
     
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