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Coverillustrationen: Linda Wolfsgruber
Gestaltung: Nele Steinborn

Liebe Leserinnen und Leser,
alle ding wöllen einen anfang haben.
1987 haben die beiden Schweizer Künstler Peter Fischli und David Weiss Dinge in Bewegung gebracht. Sie bauten Konservendosen, Reifen, Plastikflaschen, Luftballons, schiefgelagerte Bretter und vieles mehr hintereinander auf, gaben dem ersten Ding einen Stoß und setzten (unter Aus-nutzung physikalischer und chemischer Prinzipien) eine dreißigminütige Kettenreaktion in Gang, die sie unter dem Titel "Der Lauf der Dinge" dokumentierten (Trailer bei tcfilm ). Der Film ist nicht nur wundersam und komisch, sondern auch außerordentlich spannend. Watching "Der Lauf der Dinge" is like watching a Hitchcock movie by objects instead of people. (The Independent)

Dass Dinge auch in der Literatur von großer Bedeutung sind, wird in Anbetracht der menschlichen HeldInnen und einer dramatischen Handlung oft vergessen. Die Dinge liegen oder stehen auf den Buchseiten herum, werden von den Figuren in die Hand genommen, um sie zu gebrauchen oder um mit ihnen zu spielen. Dinge werden verschenkt, weggeworfen oder abgestellt. Sie werden gesammelt, geordnet, bisweilen sogar archiviert. Oft fehlen jene Dinge, die eine Heldin gebrauchen könnte, manchmal geht der Wert, den ein Ding für einen Helden hat, weit über den tatsächlichen Gebrauchswert hinaus. Oft stehen Dinge auch im Weg. Mit den Dingen hat es in der Literatur dieselbe Bewandtnis wie in unserem Leben. Hier wie dort sollte man sie nicht geringschätzen.

Die vorliegende Ausgabe von 1000 und 1 Buch widmet sich den Dingen in der Kinder- und Jugendliteratur. Auf einige Beiträge möchte ich Sie an dieser Stelle ausdrücklich hinweisen: Auf den Text der Schriftstellerin Adelheid Dahimène über ihren Umgang mit den Dingen. Auf jene Dinge, die unsere Grafikerin Nele Steinborn auf dem Cover in ein buntes Licht gesetzt hat. Sie stammen von Linda Wolfsgruber, die uns erlaubt hat, in ihren Laden – die voller Schätze sind! – zu kramen und Bilder von Dingen rauszusuchen. Außerordentlich ist auch eine Illustration von Einar Turkowski (über ihn auf der Homepage seines Verlages orell füssli/tlantis ), die Sie im Heft finden. Der Künstler, der für sein Debüt "Es war so finster und merkwürdig still" 2007 mit dem Grand Prix der Biennale der Illustration in Bratislava ausgezeichnet wurde, hat dieses Bild für das Cover des Katalogs Bologna Annual 2008 gezeichnet, der jene IllustrationskünstlerInnen vorstellt, die in Bologna im Rahmen der Kinderbuchmesse ausgestellt waren. Wir danken Hans ten Doorkaat für die Vermittlung und seine Würdigung des Künstler (– und den schönen Titel „Bits und Things“) sowie Deanna Belluti von der Bologna Children’s Book Fair für die Abdruckerlaubnis. Und legen Ihnen den Katalog, der dieser Tage in der michael neugebauer edition (minedition ) erscheint, wärmstens ans Herz.
Neben den Beiträgen zum Schwerpunktthema stellen wir – wie jedes Jahr in der Nummer 2 – die PreisträgerInnen des Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreises () vor, der im Mai übergeben wurde.
Diese Präsentation beginnt schon auf dem Cover, mit Linda Wolfsgruber. Von ihr stammen die Bilder zu Inge Fasans Erzählung "Das Meer ist riesengroß", das mit dem Jugendbuchpreis prämiert wurde. Im Heft finden Sie dazu Texte von Jens Thiele, Tamara Bach und Inge Fasan selbst – sie schreibt über die Entstehungsgeschichte des Buches. Dass "Das Meer ist riesengroß" mit dem Jugendbuchpreis ausgezeichnet wurde, ist bemerkenswert. Es zeigt, dass die Möglichkeiten des Genres Bilderbuch weit über das Übliche hinausgehen. Und macht deutlich, dass das Jugendbuch auch ein illustriertes Buch sein kann (dass das Genre Bilderbuch möglicherweise das größte Innovationspotential hat, dafür spricht im Übrigen auch die Nominierungsliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis 2008. Wir widmen diesen Büchern die nächste Ausgabe von 1000 und 1 Buch!).
Mit dem Bilderbuchpreis wurde "Eine Wolke in meinem Bett" von Heinz Janisch und Isabel Pin ausgezeichnet. Über letztere hat Wendelgard Beikircher ein Werkporträt verfasst. Und Hubert Gaisbauer schreibt eine sehr persönliche Würdigung des Autors Janisch, der ohnehin wunderbar in dieses Heft passt: Nicht zuletzt mit seinen Erzählungen in "Lob der Dinge" hat er bewiesen, dass nichts zu klein ist für die Literatur. Jens Rassmus hat für seine absurd-poetischen Prosaminiaturen sowie die Bilder dazu den Kinderbuchpreis bekommen – der Hamburger Künstler (der für den österreichischen Preis eine Dauerkarte zu haben scheint!) gesteht im Heft seine Liebe zur Vignette, diesem so kleinen Illustrations-Ding. Da der Sachbuchpreis nicht vergeben wurde, gab es einen zweiten Kinderbuchpreis: Er ging an Lilly Axsters und Christine Aebis "Alles gut", das von Heidi Lexe ausführlich besprochen wird. Bei Christine Aebi bedanken wir uns für die 1000 und 2. Seite und einige weitere Bilder, die auf den Seiten 12ff zu finden sind.

Zum Schluss noch ein paar Dinge aus der Redaktion: Mit Lukas Bärwald, seit Herbst 2007 Mitarbeiter der STUBE, haben wir ein neues Redaktionsmitglied. Zur vorliegenden Nummer hat er bereits drei Beiträge beigesteuert. Und Klaus Nowak sitzt zwar weiterhin in der Redaktion, kümmert sich aber sonst um Windeln, Fläschchen und andere sehr wichtige Dinge. Isabella Stelzhammer, immer schon Assistentin für den Besprechungsteil, hat einen Teil seiner Aufgaben übernommen.
Jetzt aber: wenn eines dinges genug ist, so soll man aufhören.
Bleibt noch, Ihnen einen schönen Sommer zu wünschen. Genießen Sie die kleinen Dinge!

Franz Lettner

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Anzeigenkunden dieser Ausgabe:

Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel

Hinstorff Verlag Rostock

dtv

 

 

 
   
1002. Seite von TChristine Aebi
Vorlaut
Elisabeth Wildberger: Schläft ein Ding in allen Titeln
Marlene Zöhrer: Things make the world go round. Erzählte Welten
Adelheid Dahiméne: Ich wäre gern ein wenig gegenstandsloser
Nicole Kalteis: "Hinter dem U kommt gleich das Weh, das ist die Ordnung im ABC" Sammeln, ordnen, archivieren
Lukas Bärwald: Kunst-Stücke. Über das Leben mit Prothesen in der KJL
Kathrin Steinberger: Vom Herrn der Dinge zum Sachenreiter. Welche Gegenstände einemin der Phantastischen Literatur begegnen und warum sie schlussendlich alle gegenstandslos sind
Franz Lettner: Hier würde ich gerne wohnen
Heidi Lexe: Beerdigungen AG. Zur kindlichen Autonomie im Vollzug der letzten Dinge in der KJL

Sigrid Binnenstein: 1, 2, 3 … kirschrote runde Nascherei. Ordnung der ersten Dinge in Bilderbüchern

Einar Turkowski: Bits and Things
Hans ten Doornkaat über Einar Turkowski: Eine Leidenschaft, ein Wagnis …

Silke Rabus: Reine Nebensache. Requisiten im Bilderbuch

Jens Rassmus: Ein kleines Ding: die Vignette
Wendelgard Beikircher: Sprechen in Bildern. Isabel Pin im Werkporträt
Gilt nun nicht mehr, was bisher war? Heidi Lexe über "Alles gut" von Lilly Axster und Christine Aebi
Vernünftiger text und launiges Bild? Jens Thiele zum Dialog von Wort und Bild in "Das Meer ist riesengroß"
Inge Fasan: Die Sehsucht ist blau
Ramara Bach über "Das Meer ist riesengroß"
Die Dinge haben ihre Tränen (und Träume). Hubert Gaisbauer über seine erste Begegnung mit Heinz Janisch
   
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