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Cover: Nele Steinborn

1002. Seite von Barbara Steinitz
Vorlaut
Thomas Mayerhofer & Daniela A. Frickel: Wer verführt hier wen? Be-, Zu- und Neuschreibungen von Geschlechterrollen auf dem Spielfeld der Verführung

Heidi Lexe:Gut, saftig, steirisch? Versuchen und versucht werden aus Vampir-Sicht

Christina Ulm: Bekenntnisse eines Serien-Junkies

Ralf Schweikart: Macht macht verführerisch
All you can eat
Literarisch-kulinarische Verführung von Lukas Bärwald
Bruno Blume: Die deutschen Stimmen. Eine persönliche Reise mit den Stimmen der Hörbuch-SprecherInnen
Robert Buchschwenter: Wer brennt, schlägt keine Wurzeln. Von lustvollen Abstürzen in Popmusik und Film
Silke Rabus: Die Verlockung der Bilder
oranger Pfeil Ines-Bianca Vogdt: Paradiesgeschichten. Von der Verführung zur Selbstvergewisserung
Grüner Pfeil Ich erzähle, was mich bewegt. Kathrin Steinberger im Interview
oranger Pfeil Dem Traum näher kommen. Michael Roher im Gespräch
oranger pfeil Sprachspiele des Schmerzes. Heidi Lexe über Carolin Philips' "Wofür die Worte fehlen"
oranger Pfeil Kathrin Wexberg: Geschichte ist Kommunikation und Konstruktion
oranger Pfeil Renate Habinger: Rotzfrecher Strich, brave Linie …
 
Zeitlos: Friedrich C. Heller über Reprints
   
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Anzeigenkunden
dieser Ausgabe:

Annette Betz

Bajazzo Verlag Beltz & Gelberg Bundesakademie
für kulturelle Bildung Wolfenbüttel

Gütersloher Verlagshaus

 

 
   

Liebe Leserinnen und Leser,

Liebe Leserinnen und Leser,
ist Ihnen das Wasser im Mund zusammengelaufen, angesichts des Apfels auf dem Cover? Haben Sie an die Steiermark gedacht, wo angeblich die süßesten und saftigsten Äpfel Österreichs wachsen? grübner Pfeil Oder gar an das Paradies (ein großer Gedankenschritt für die Menschheit, ein kleiner für viele hier Einheimische) und in schneller Folge an die Vertreibung daraus? Haben Sie sofort Ihre Zweifel gehabt, ob nicht ein Foodstylist diese Frucht "zum Reinbeißen" präpariert hat? Oder haben Sie gleich gewusst, dass ein Wurm drin ist? Hoffentlich verführt es Sie dazu, das Heft aufzuschlagen und zu lesen.

Was mich zum Lesen eines Buches verführt: der Name geschätzter AutorInnen oder IllustratorInnen, die Empfehlung durch eine gute Freundin oder der Veriss eines bestimmten Kritikers, ein Umschlagbild, das mich – so noch nie gesehen – schreckt oder rührt, ein Titel, der eines klar macht und vieles im Unklaren lässt, der Name einer Übersetzerin, die mir schon öfter Großartiges in meine Sprache gebracht hat, ein Motto, das mich musikalisch einstimmt, eine typografische Gestaltung, die Spannung erzeugt, aber meinem Auge nicht wehtut, ein erster Satz, der mich in den Leserhythmus zwingt … Verführung ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren, ein Vorgang, bei dem jedenfalls das Verhältnis zwischen Vertrautheit und Fremdheit eine zentrale Rolle spielt. Verführung ist das Thema dieser Ausgabe von 1000 und 1 Buch.

Den Beginn machen Daniela A. Frickel und Thomas Mayerhofer mit ihrer Untersuchung der literarischen Darstellung sexueller Verführung im Jugendbuch. Betören, Verstören und Zerstören nennen sie die drei grundsätzlichen Modi der Verführung, die sie in der gegenwärtigen Literatur für Jugendliche durchgespielt sehen – und nicht immer ist klar, wer wen mit welchen Konsequenzen verführt. Das gilt umso mehr auch für ProtagonistInnen jener Romane, die zur Zeit so viele Leserinnen verführen: Der Anziehungskraft des animalisch Schönen und den Folgen der Erfüllung des Begehrens zwischen Vampiren und jungen Frauen geht Heidi Lexe nach – an glühenden Blicken, seidenweichen Stimmen und schwerem Atem herrscht kein Mangel. Dass im Übrigen nicht nur die besonders saftigen Äpfel aus der Steiermark kommen, sondern auch die ersten literarischen Vampire in der wilden und entlegenen Gegend von Lower Styria ihr Unwesen trieben, können Sie auch bei Lexe nachlesen.

Um das zentrale Feld der sexuellen Verführung haben wir weitere Spielarten angeordnet (die in unterschiedlichem Ausmaß auch von ihr mitbestimmt werden): Dass Macht verführerisch ist und wie die Beziehungen zwischen Tätern und Opfern in jenen Romane gestaltet werden, in denen erstere vorwiegend böse sind und zweitere Außenseiter, zeigt Ralf Schweikart. Lukas Bärwald findet, dass in der Ausgestaltung des Motivs der kulinarischen Verführungen im Kinderbuch diesselben Kräfte am Werk sind, die wir aus eigener Erfahrung mit der Nahrungsaufnahme kennen: Widerstand und Begehren. Bruno Blume fragt sich, warum bestimmte Stimmen zu bestimmten Texten passen und ihn zum Hören verführen und Christina Ulm outet sich als TV-Serien-Junkie! Dass unser Begehren uns beim Hören wie beim Sehen empfänglich macht für schöne Versprechen und den Reiz des Verbotenen, das führen Robert Buchschwenter in Bezug auf Popmusik und Film und Silke Rabus hinsichtlich der Bilder vor – und kommen beide zum Ergebnis, dass Verführung auch Verirrungen zur Folge haben kann. Aber wer sich nicht bewegt, den bewegt auch nichts. Den Schlusspunkt setzt Ines-Bianca Vogdt mit ihrem Essay über ein paar jener Geschichten, die über den Anfang der Menschheitsgeschichte erzählt werden. Schöpfungsmythen, schreibt sie, sind als Erzählungen von der Kindheit des Menschen Kindern nahe und dienen ihnen wie uns allen zur Selbstvergewisserung. Dass sie dahingehend die Darstellung der Figur der Eva in der aktuellen Kinderliteratur für junge Leserinnen eher für problematisch hält, macht Vogdt in ihrem Beitrag klar.

www.lesefest.at ist die Internetseite des Bundesministeriums für Unterrricht, Kunst und Kultur, auf der über den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2011, der Anfang Mai in der Steiermark überreicht wurde, informiert wird. Barbara Steinitz, die für die Illustrationen zum preisgekrönten "Rosie und der Urgroßvater" von Monika Helfer und Michael Köhlmeier verantwortlich ist, hat für uns die 1002. Seite gestaltet – und Musik ins Heft gebracht. Kathrin Wexberg berichtet über den Entstehungsprozess dieser Geschichten über die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Hohenems. Heidi Lexe schreibt über Carolin Philipps’ preisgekrönten Jugendroman "Wofür die Worte fehlen", den beiden jungen PreisträgerInnen Kathrin Steinberger und Michael Roher haben wir Fragen zu ihrer Arbeit gestellt. Für die Antworten danken wir Ihnen – und gratulieren allen beteiligten KünstlerInnen und VerlegerInnen sehr herzlich.

Vor den Besprechungen interessanter Neuerscheinungen aus dem heurigen Frühjahr finden Sie den Beginn einer neuen Serie: Unter dem Motto "Rotzfrecher Strich, brave Linie …" schreibt Renate Habinger über die Linie, mit der jedes Erzählen beginnt. Den Auftakt macht der Strich mit der Fettkreide.
Für den Sommer wünsche ich Ihnen angemessene Ausschweifungen: Lassen Sie sich verführen auf heimischen Wiesen, in fremden Ländern – von spannenden Büchern, kalten Getränken und frischen Früchten!
Franz Lettner

Alle Rezensionen von 1000 und 1 Buch finden Sie unter www.rezensionen.at

 


 

 

 


 

 

 

 

 
     
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