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Cover: Nele Steinborn

1002. Seite von Selda marlin Soganci
Vorlaut
Gundel Mattenklott: Magische Wälder
Nicole Kalteis: Ich bin in den Wald gezogen, weil mir daran lag, bewusst zu leben
Marlene Zöhrer: Wilde Waldheimat
Bäume sind Räume – Andrea Kromoser über den Baum als Handlungsort
Ernst Seibert: Picocchio und dei Frage der Herkunft
Lukas Bärwald: Kleine Forscher und große Klimakiller. Sachbücher zum Thema Klimaschutz
Aus dem Holzweg: Selda Marlin Soganci im Interview
Sarah Wildeisen: Magie der Puppenschrift

Veronika Kyral: Ziehen, hebeln, klappen, aufstellen, drehen. Vom Anfang des Pup-ups bis zum heutigen Paper Engineering

 
Zeitlos: Marije Tolman und Ronald Tolman: "Das Baumhaus"
Blickwechsel zu "Das Märchen von der Welt" von Käthi Bhend und Jürg Amann
Freilos:Hirtenspiel
   
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Schnäddi & Höppi Verlag
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Liebe Leserinnen und Leser,

was haben Peter Härtlings »Alter John«, Jonathan Strouds vierter Bartimäus-Band, Wolfgang Hohlbeins »Chroniken der Elfen«, Kirsten Boies »Nella Propella«, Katja Behrens »Hathaway Jones und die schöne Flora Dell« oder Renate Welshs »Das Vamperl« gemeinsam? Genau, all diese -Bücher sind als ebook erhältlich. Nicht nur die Konzern- und Großverlage bieten schon Bücher auch in elektronischer Form an, auch kleinere und ganz kleine stehen in den Startlöchern. Und nicht nur Bücher für junge Erwachsene oder ältere Kinder, auch Bilderbücher sind schon in digitaler Form erhältlich. Oetinger will Erhard Dietls »Die Olchis aus Schmuddelfing« Anfang nächsten Jahres als App für das iPad zum Download bereitstellen, auch der neue Schweizer Verlag Aracari will demnächst seine -Bilderbücher für das Tablet von Apple vertreiben. Wer geglaubt hat, die Kinder- und Jugendliteratur sei von den rasanten Veränderungen auf dem literarischen Markt nicht betroffen, hat noch nicht ausprobiert, wie toll sich ein Bilderbuch auf dem iPad lesen lässt – schon von sehr kleinen Kindern. Klar ist, dass Lesen für kleine Kinder aber vor allem auch einen sozialen Aspekt hat. Die körperliche und emotionale Nähe, die zwischen Kind und vorlesendem Erwachsenen entsteht, das Gefühl von Vertrautheit und Geborgenheit, mit dem der Vorgang des gemeinsamen Lesens aufgeladen wird – und das im besten Fall auf das Lesen insgesamt übertragen wird, das alles (und mehr) ist nicht ersetzbar dadurch, dass man Kindern ein elektronisches Buch in die Hand drückt – sei es noch so einfach zu bedienen. Kann man aber diese neuen Erscheinungsweisen von Geschichten nicht trotzdem auch als Chance begreifen? Und darüber nachdenken, was mit ihnen zu machen ist? Dass sie kommen, daran ist nichts zu ändern, das war auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse deutlich merkbar, trotz des Umstandes, dass dort auch heuer wieder in erster Linie ganz normal gedruckte Bücher zu sehen waren. Dass auch 1000 und 1 Buch auf nicht absehbare Zeit auf Papier gedruckt erscheinen wird, daran herrscht ebenso kein Zweifel. Wir lieben es: den Geruch und die Haptik des Papiers, die Klarheit, mit der Seiten aufgebaut werden können, die Eindeutigkeit des Umblätterns, die Begrenztheit der 72 Seiten. Wir füllen sie nicht einfach, wir gestalten sie mit Gefühl. Und hoffen, damit die Aufmerksamkeit unserer LeserInnen zu erregen. Der Geist ist nicht wie ein Gefäß, das gefüllt werden soll, sondern wie Holz, das entzündet werden will, hat Plutarch in seinen Moralischen Schriften geschrieben.

Damit bin ich – quasi auf zwei Wegen – beim Holz angelangt, dem Thema der vorliegenden Ausgabe von 1000 und 1 Buch, in der wir jede Menge davon gesammelt haben: In Form von hölzernen Figuren etwa, die naturgemäß von Pinnochio angeführt werden. In Form von Bäumen, die einen literarischen Ort darstellen, auf dem sich der kleine Andi ebenso wie der alte Baron wohlfühlen. Und schließlich haben wir vor lauter Bäumen auch den Wald nicht vergessen, ihm sind drei Hauptbeiträge gewidmet: Gundel Mattenklott begleitet jene literarischen Figuren, für die der Wald ein gefährlicher poetischer Raum ist, durch den sie hindurch müssen, ihre Angst ebenso wie die Dämonen bekämpfend, um gefestigt aus ihm herauszukommen. Nicole Kalteis folgt den Spuren derer, die sich in den Wald zurückziehen, um dort bewusst nahe der Natur zu leben und später gereift in die Zivilisation zurückzukehren. Und Marlene Zöhrer schließlich ist wilden Männern, einem im Dschungel ausgesetzten kleinen Jungen, Hexen und Räubern auf der Spur, jenen Outlaws also, de-nen der wilde Wald schützende Heimat wird.

Wie groß, großartig und vielfältig der Wald als literarischer Topos genutzt wurde und wird, zeigen diese Beiträge aufs Schönste. Wie gefährdet er in der Wirklichkeit ist, darüber wurde in den 1980er Jahren unter dem Stichwort »Waldsterben« breit und sehr emotional diskutiert. »Waldsterben« ist kein Thema mehr, jetzt heißt das Schlagwort Klimawandel – ob und wie sich die Auseinandersetzung mit Ökologie und Umweltschutz in den Sachbüchern für junge LeserInnen verändert hat, dieser Frage ist Lukas Bärwald (STUBE )nachgegangen.
Setzt man sich mit dem Thema Holz in der KJL auseinander, kommt man an Selda Marlin Soganci nicht vorbei. Wir haben die deutsche Illustratorin nicht nur um die 1002. Seite gebeten, sondern sie auch gefragt, wie sie auf ihrem Holzweg gelandet ist.

Wir landen am Ende wieder beim Papier, bei einer ganz außerordentlichen Art nämlich, aus diesem Werkstoff Bücher zu machen: Veronika Kyral gehört nicht nur selbst zu jenen, die leidenschaftlich mit Papier arbeiten, sie verfolgt für uns im Heft auch jenen Weg, der von den Anfängen der Pop-ups – im Wiener Biedermeier – zu den Papier-Ingenieuren der Gegenwart führt. Jene Bücher, in denen gezogen, geklappt, gedreht oder aufgestellt werden kann, sind zur Zeit ja sehr in Mode, als App werden sie wohl nie downloadbar sein. Hier wird Papier aus dem Rohstoff Holz immer Werkstoff und Grundlage bleiben.

Wie immer können Sie im zweiten Teil des Heftes zahlreiche Besprechungen von papierenen Neuerscheinungen des Herbstes lesen, außerordentlich schöne, komische, mitreißende und berührende Bücher sind dabei. Viele davon eignen sich hervorragend, in Bibliotheken aufgenommen, an junge LeserInnen weitervermittelt oder an liebe Freundinnen verschenkt zu werden. Und man kann sie auch selbst lesen. Viel Vergnügen dabei wünscht Ihnen im Namen der Redaktion
Franz Lettner

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