4|24
Landschaft & Porträts
Zuerst kommt der Hintergrund …
Sobald es um eine Geschichte geht, kommt meist eine Kulisse ins Spiel – als Mitspielerin, nicht bloß als Dekor.
Hans ten Doornkaat
… dann haben die Mitspieler:innen etwas zu sagen
Endiviensalat mit lauwarmen Kartoffeln und Frittatensuppe
ist das Lieblingsessen von Teresa Mossbauer
jedes buch macht was mit mir, es verändert mich, bringt mich weiter und auch näher an das, was (oder wer) ich bin, was (oder wer) ich sein kann, sein will
Stella Dreis
Wenn ich im Drehkreuz der Frankfurter Buchmesse feststecke, holt Anna mich mit ihrer Karte da raus!
Andrea Kluitmann über Anna Woltz
Für Autoren kann es sehr beängstigend sein, ein geliebtes Buch aus der Hand zu geben, aber Andrea vertraue ich vollkommen.
Anna Woltz über Andrea Kluitmann
… porträtieren hieße somit schichten abnehmen und auftragen, maskieren und demaskieren …
Michael Hammerschmid
Rückblickend sind es immer wahre Geschichten echter Personen, durch die ich etwas erzählen kann, was über die Person hinausgeht.
Patricia Thoma
Ich mag Hasen und Dackel sehr …
Susanne Straßer
Ich bin mit Jungbrunnen-Büchern aufgewachsen …
Anna Stacher-Gfall
Ich glaube nicht an Gott, dafür an die Liebe, an den Fortschritt und an das Skateboardfahren.
Eva Rottmann
Mir ist eigentlich selten was peinlich.
Tanja Raich
In der Stillensteinklamm gibt es eine Fels-Badewanne!
ASAGAN
Ich habe gelernt, dass sich Katharsis nicht immer gut anfühlt.
Sydney Smith
Texte herausragender Bilderbücher zu übersetzen ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, vergleichbar mit dem Übersetzen von Lyrik.
Bernadette Ott
Ich habe viel von euch gelernt.
Ute Wegmann über Menschen, die sie interviewt hat
Inhalt
Die 1002. Seite
Stella Dreis
ist Franz Lettner
Spaziergang zu den Kulissen
An-, Ein- und Aussichten in Bilderbücher(n) beobachtet von Hans ten Doornkaat
Teresa Mossbauer
füllt einen Fragebogen aus
Das Nebelmysterium
Conni Hladej über Stella Dreis
Über Andrea Kluitmann
Anna Woltz
Über Anna Woltz
Andrea Kluitmann
denk mal gedichte!
Michael Hammerschmid
Engagement und ästhetisches Gespür
Sarah Wildeisen im Atelier von Patricia Thoma
Suppe ist fertig
Andrea Kromoser über Susanne Straßer
Im Traumberuf gelandet
Anna Stacher-Gfall füllt einen Fragebogen aus
Alexandra Hofer über Eva Rottmann
Buchfetischistin
Tanja Raich füllt einen Fragebogen aus
Schätze heben
Heidi Lexe über ASAGAN
I will paint until I die
Sydney Smith im Gespräch mit Antje Ehmann
Ein sehr diskretes Erzählen
Bernadette Ott übersetzt Sydney Smith
Ute Wegmann
ist gespannt auf jede Antwort
Christian Morgenstern & Philip Waechter
sind zeitlos
"Emma und der traurige Hund" von Sabine Rufener
wurde in der grund_schule der künste gelesen
2024
Empfehlungen der Redaktion
Enemies to Friends
Eine Kolumne von Christine Lötscher
Liebe Leserinnen und Leser,
"Wie sehr bemerkenswert ist doch / ein dunkler Baum, durch den ein Wind geht, / wenn dieser Wind schön mild ist und / der große Baum scharf gegens Licht steht, …" beginnt Robert Gernhardt sein Gedicht »Herbstlicher Baum in der großen Neuhausstraße« (1987). Die ist etwa mittig zwischen Nationalbibliothek und Goethe-Universität in Frankfurt am Main zu finden, der Heimat des Dichters. Von dort führt mein – überraschend kurzer – Weg in eine Landschaft weiter südlich: "Ich sah mir den Baum recht an, dann gingen wir weiter und kamen nach einiger Zeit allmählich aus den Dürrschnäbeln hinaus. Die Stämme wurden dünner, sie wurden seltener, hörten endlich ganz auf, und wir gingen auf einem sehr steinigen Wege zwischen Feldern, die jetzt wieder erschienen, hinauf. Hier zeigte mir der Großvater wieder einen Baum und sagte: "Siehe, das ist die Machtbuche, das ist der bedeutsamste Baum in der Gegend, er wächst aus dem steinigsten Grunde empor, den es gibt." "Granit" (1853) heißt die Erzählung Adalbert Stifters, aus der diese Passage stammt. Wer das sofort literarisch verorten konnte, ist entweder auch in Oberösterreich beheimatet oder hat aus anderen Gründen schon mal darauf gebissen. Was mich zur grundsätzlichen Frage führt: Wie gehen Sie mit Landschaftsbeschreibung in der Literatur um? Ist das ein Leckerbissen oder Anlass für eine Abkürzung? Und wie ist es bei einer gezeichneten oder gemalten Landschaft im Bilderbuch? Oft fällt sie einem auf den ersten Blick nicht auf, weil sie unscheinbar ist, naheliegend oder der Handlung so angemessen. Gibt es aber kaum eine Landschaft oder mutet sie unnatürlich farbig, abstrakt oder hässlich an, merkt man auf. Und es wird klar: Eine Geschichte spielt immer vor einem Hintergrund. Und der hat etwas zu erzählen.
Was das sein kann, erkundet Hans ten Doornkaat auf seinem Spaziergang durch die Bilderbuchlandschaft. Er kommt dabei durch Gegenden ohne Menschen, auf Bauernhöfe voller Tiere, in wimmelige, konventionell ausgestattete oder nachtleere Städte. Der Reisebericht des ehemaligen Verlegers und noch Publizisten macht hier den Anfang. Und sorgt so für die Kulisse, vor der wir Buchmenschen porträtieren. Die erste heißt Stella Dreis: Conny Hladej, bis 2023 für die Edition Nilpferd bei G&G verantwortlich, findet die Bilder der in Heidelberg lebenden Künstlerin geheimnisvoll, beglückend und sehr anziehend. Darum hat sie mit ihr ein Bilderbuch gemacht. Wie das lief, erzählt sie hier. Und Stella Dreis malt auf der 1002. Seite ein Selbstporträt.
Gegessen haben sie nicht zusammen, aber "Suppe ist fertig" war beim virtuellen Treffen der Literaturvermittlerin Andrea Kromoser mit Susanne Straßer dabei. Die Münchner Illustratorin ist Haubenköchin in Sachen Pappbilderbücher.
"Auf leisen Pfoten" kommen alle Arbeiten von Patricia Thoma daher, nicht nur das unter diesem Titel publizierte Sachbuch über das Leben einer Füchsin. Sarah Wildeisen hat die engagierte und vielseitige Künstlerin in ihrem Berliner Atelier besucht.
Als Alexandra Hofer ihr Porträt über Eva Rottmann geschrieben hat, hatte die noch keine Momo zuhause. Kurze Zeit später wurde die in Zürich lebende Autorin auf der Frankfurter Buchmesse für "Kurz vor dem Rand" mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2024 ausgezeichnet. Noch ein Grund mehr, die Romane der leidenschaftlichen Skateboardfahrerin zu lesen.
Einen Besuch lohnt auch die Geschichtenwelt von ASAGAN, für die das gleichnamige Wiener Künstlerkollektiv verantwortlich ist. Heidi Lexe ist in die sagenhafte Welt alter Stiche, gefährlicher Drachen und süßer Mehlspeisen abgetaucht. Bei ASAGAN mischt mit Wolfgang Hartl auch der erste Mann auf unserer Bühne mit. Wir stellen ihm Sydney Smith an die Seite. Antje Ehmann hat den kanadischen Illustrator zu seiner Arbeit befragt. Für die Sydney Smith im September 2024 auf dem IBBY-Kongress in Triest mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet wurde. Auf der dortigen Bühne stand als weiterer Preisträger Heinz Janisch, dem wir zu dieser wichtigsten internationalen Auszeichnung für Kinderbuchautoren und -illustratoren gratulieren. Zurück zu Sydney Smith: Was das besondere an dessen Bilderbüchern ist, weiß seine Übersetzerin Bernadette Ott. Wie eng im Übrigen das Verhältnis zwischen Schreibenden und Übersetzenden werden kann, zeigt sich bei der Niederländerin Anna Woltz und ihrer deutschen Übersetzerin Andrea Kluitmann, die hier jeweils ein bisschen was über die andere erzählen.
Einigen weiteren Bücherfrauen haben wir Fragen gestellt: Teresa Mossbauer vom Achse Verlag, Tanja Raich von Leykam und Anna Stacher-Gfall von Jungbrunnen geben unter anderem preis, warum sie bei der Kinderliteratur gelandet sind. Und die Autorin und Journalistin Ute Wegmann weiß genau, wie man ein gutes Interview mit Kinderbuchschaffenden macht.
Als Kolumnistin hat überdies Christine Lötscher von der Universität Zürich bei 1001 Buch angedockt. Sie schreibt ab dieser Ausgabe unter dem Titel »Enemies to Friends« über das Phänomen New Adult. Da können Sie sich schon mal einen einschlägigen Buchtipp holen. Im Besprechungsteil gibt es dazu ausführliche Rezensionen aktueller Bilderbücher, Romane oder Comics sowie die traditionellen vorweihnachtlichen Empfehlungen der Redaktion.
Eine bekommen Sie von mir noch oben drauf: Wenn Ihnen der Ausschnitt aus "Granit" gefallen hat, lassen Sie sich von Stifters "Bergkristall" ergreifen. Bleiben Sie dabei ungerührt, rate ich zum "Weihnachtsrätselgedicht": "Wer stapft da durch den Winterwald? / Es ist ein Mann mit Bart, sprich: alt." ("Weihnachten mit Robert Gernhardt"). So oder so: Kommen Sie gut ins nächste Jahr.
Franz Lettner
Entweder.Oder
Alexandra Hofer über Eva Rottmann. Oder: Über starke Mädchenfiguren, gesellschaftspolitische Themen und die Liebe als verbindendes Gefühl.
"Oder" ist jenes Wort, das für die Kapitelüberschriften in Eva Rottmanns Jugendbuchdebüt 2001 von zentraler Bedeutung ist, was sich schon im Titel "Mats & Milad. Oder: Nachrichten vom Arsch der Welt" niederschlägt. Darin zeigt sich bereits, dass "oder" nicht nur eine Entscheidung herausfordern, sondern auch Alternativen aufzeigen kann.
Die 1983 in Deutschland geborene, nun in der Schweiz lebende Dramaturgin, Literaturvermittlerin und Theaterpädagogin, die im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2024 für "Kurz vor dem Rand" mit dem Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreis in der Sparte Jugendbuch ausgezeichnet wurde, beschreibt sich selbst auf ihrer Website so: "Ich lebe in Zürich, mit meinen beiden Kindern und einigen Aquariumfischen. Ich glaube nicht an Gott, dafür an die Liebe, an den Fortschritt und an das Skateboardfahren. Ich wünsche mir mehr Männer, die sich ihrer Privilegien bewusst werden und anfangen, besser zuzuhören. Kinder sind Kinder, nicht halbwertige Erwachsene. Und definitiv nichts wäre die Welt ohne Musik."
Die Liebe, der Fortschritt, das Skateboardfahren, Kinder (& Jugendliche) und die Musik sind nicht nur in ihrem Leben wichtig, sie spielen auch in ihren Büchern eine zentrale Rolle. Dazu kommen noch jede Menge Alltagsrealitäten, die auch unschöne Seiten des jugendlichen Daseins in den Blick nehmen und zeigen, dass es nicht immer ein Entweder.Oder sein muss.
…
Den ganzen Beitrag können Sie in 1001 Buch 4|24 lesen. Als Abonnent*in auch online direkt hier auf dieser Website
Aktuelle Neuerscheinungen
Folgende Titel werden in dieser Ausgabe von 1001 Buch besprochen:
AdBåge: Die schönste Wunde
Albertalli: Imogen, Obviously
Albo & Moreno: Die Wölfin
Alfred: Maltempo
Auh: Ein Berg, ein Sturz, ein langes Leben
Balen: Wünsche an die Wellen
Benvenuto: Dieses Meer, dieses unerbittliche Meer
Budde: Die Band, die keiner kennt
Cole: So Let Them Burn
Coppo: Das Buch, das deine Gedanken lesen kann
Damm: Das Nori sagt Nein!
Devos: Fuchs, Vogel und ich
Drvenkar: Frankie und wie er die Welt sieht
Ewers: Ursula Wölfel
Exner: Hüte
Fehr & Burmeister: Susie im Supermarkt
Fehr & Schöbitz: Da war ich noch nie!
Fischels: Outline
Fromental & Jollivet: MISS KAT
Garguláková & Mecner: Alles über die Hand
Hammerschmid & Hoffmann: Was keiner kapiert
Internationale Jugendbibliothek: Der Kinder Kalender
Janisch & Weiss: Gazelle
Kaster: Der Traum der grünen Papageien
Knödler: BücherLiebe
Koens: Von hier aus kann man die ganze Welt sehen
Krusche: Wie der seltsamste Traum
Kuhl & Port: Mukkekukke
Kuhlmann & Pastewka: Earhart
Kulot: Es geschah auch kein Unfug …
Kurimoto: Der verwunschene Wald
Laube & Zaeri: Anna
Lindgren & Heikkilä: Lotta zieht um
Lindgren & Vang Nyman: Pippi feiert Weihnachten
Mehnert: Der Traum vom Gold
Misslin & Piu: Rette das Märchenland!
Morgenstern & Waechter: Die drei Spatzen
Nakamura: Pixelzoo
Nilsson: Martin & Jack
Obrecht & Völk: Die lange Weile
Parr: Himbeereis am Fluss
Pecher, Mihatsch & von Glasenapp: Alles im Fluss!
Penzek & Neuhaus: Und was passiert jetzt?
Poznanski: Scandor
Raidt: Wie ein Vogel
Reilly: Das Verhalten ziemlich normaler Menschen
Rottmann: Fucking, fucking schön
Rufener: Emma und der traurige Hund
Sandjon: City of Trees
Santos de Lima: Warum willst du jetzt schon gehen?
Schimel & Mayorga: Glückspilz
Schwarz & Dailleux: Die Geschichte vom Nichts
Schwarz & Mayer: Meine Geheimschublade
Smith: Erinnerst du dich?
Solarz & Czajka: Alles über Erdlinge
Solotareff: Ein Bär wie kein anderer
Stanišić & Stanišić: Hey, hey, hey, Taxi!
Steinberger: Der Rosengarten
Straßer: Haltet den Ball!
Taranenko & Worobjowa: Olympia!
Wiehle: Tierische Wohnungen
Woltz: Atlas, Elena und das Ende der Welt
Yustos & Rodríguez Robredo: Femina Sapiens
Zaeri: Wer küsst wen?
Die Besprechungen können Sie als Abonnent*in online direkt hier auf dieser Website lesen